(Bildnachweis: http://www.angela-fruebing.de/de/malerei-grafik/verkuendigung-an-maria)

„In der Menschwerdung des Sohnes Gottes erkennen wir die Anfänge der Kirche. Alles kommt von dort her. Jede geschichtliche Verwirklichung der Kirche und auch jede ihrer Institutionen muß sich auf jene Urquelle zurückbesinnen. Sie muß sich zurückbesinnen auf Christus, fleischgewordenes Wort Gottes. Er ist es, den wir immer feiern: der Immanuel, der Gott-mit-uns, durch den sich der Heilswille des Vaters erfüllt hat. Und dennoch (gerade heute betrachten wir diesen Aspekt des Geheimnisses) fließt die göttliche Quelle durch einen privilegierten Kanal: die Jungfrau Maria. Mit einem ausdrucksstarken Bild spricht der hl. Bernhard diesbezüglich von »aquaeductus« (vgl. Sermo in Nativitate B. V. Mariae: PL 183,437–448). Wenn wir die Menschwerdung des Sohnes feiern, ehren wir immer auch die Mutter. An sie erging die Verkündigung des Engels; sie nahm sie an, und als sie aus tiefstem Herzen antwortete: »Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk 1,38), begann in jenem Augenblick das ewige Wort sein Dasein als Mensch in der Zeit.

Von Generation zu Generation bleibt das Staunen über dieses unfaßbare Geheimnis lebendig. Der hl. Augustinus stellt sich vor, daß er sich an den Engel der Verkündigung wenden und ihn fragen würde: »Sag mir, Engel, warum ist das an Maria geschehen?« Die Antwort, so der Bote, ist in den Grußworten enthalten: »Sei gegrüßt, die du voll der Gnade bist« (vgl. Sermo 291,6). In der Tat, als der Engel »bei ihr eintritt«, nennt er sie nicht mit ihrem irdischen Namen Maria, sondern mit ihrem göttlichen, so wie Gott sie seit jeher sieht und bezeichnet: »Voll der Gnade – gratia plena«, […] »Begnadete«, und die Gnade ist nichts anderes als die Liebe Gottes, so daß wir dieses Wort schließlich mit die von Gott »geliebte « übersetzen könnten (vgl. Lk 1,28).“

Benedikt XVI., Predigt 25.03.2006

Im Advent richtet sich unser Blick auch auf Maria. Vielleicht können wir sagen, dass der Advent schon mit der Verkündigung an Maria beginnt. In ihrer Gemeinschaft warten wir auf das Kommen des Immanuel, des Gottes mit uns: auf das Kommen des Wortes Gottes, das uns alle ansprechen will mit seinem Wort der Liebe ansprechen will. Warten auf den Sohn Gottes ist Warten mit Maria.

Gott, du bist groß und unbegreiflich.

Nach deinem Willen ist dein ewiges Wort

im Schoß der Jungfrau Maria Mensch geworden.

Gläubig bekennen wir,

dass unser Erlöser wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Mache uns würdig,

Anteil zu erhalten an seinem göttlichen Leben.

Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.