Allmächtiger Gott,

sieh gütig auf dein Volk,

das mit gläubigem Verlangen

das Fest der Geburt Christi erwartet.

Mache unser Herz bereit

für das Geschenk der Erlösung,

damit Weihnachten für uns alle

ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen

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„Gläubiges Verlangen“ – im Tagesgebet hören sich die Worte harmlos ab. Aber bedenkt man sie genauer, so liegt eine Spannung in ihnen, die man in einem Gebet an Gott nicht erwarten würde.

Das Verlangen soll „gläubig sein: Mit dem Glauben soll das Verlangen nicht abgemildert werden. Das Gebet spricht nicht von einem „blinden Glauben“, der einfach alles so hinnimmt, wie es ist. Der Glaube soll uns unsere Augen öffnen für die Wirklichkeit, in der wir leben. Nicht zu Unrecht spricht die christliche Theologie auch von den „Augen des Glaubens“. Der Glaube an die Menschwerdung Gottes gibt uns eine neue Weltanschauung, die die Wirklichkeit so wahrnimmt, wie sie ist. Die „Augen des Glaubens“ sind der Anspruch, dass die Wirklichkeit, also unsere Lebenswelt, nicht bei dem belassen wird, was ist, sondern dass sie auch gestaltet, manchmal auch verändert werden will. Dazu bedarf es aber des Hinsehens und es braucht den Glauben, dass Gott in seiner Menschwerdung in Jesus Christus die eigentliche und grundlegende Veränderung der Welt geschaffen hat.

Im Tagesgebet ist dann noch das zweite Wort: Verlangen. Darf man gegenüber Gott überhaupt etwas verlangen? Ist dies von Seiten des Menschen nicht zu hoch gegriffen? Müsste der Mensch sich nicht einfach in Demut unter Gott unterwerfen? Biblisch gesprochen ist der Mensch Bundespartner Gottes, also das Gegenüber zu Gott. Natürlich besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Gott als Schöpfer und uns Menschen als seine Geschöpfe. Aber dennoch möchte Gott mit dem Menschen – mit uns allen – in Beziehung treten. In diesem Beziehungsverhältnis hat auch das Verlangen und die Sehnsucht seinen Ort. Es ist die Frage, ob ich das Verlangen in oder außerhalb dieser Beziehung spreche. Mit Psalm 70 dürfen wir darum immer wieder beten und bitte: „Gott, komm mir zu Hilfe, HERR, eile mir zu helfen…HERR säume doch nicht“.

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