Allmächtiger Gott,

noch lastet die alte Knechtschaft auf uns,

noch drückt uns das Joch der Sünde.

Schenke uns die wahre Freiheit

und mach uns neu durch die Geburt deines Sohnes,

auf die wir gläubig warten.

Darum bitten wir durch ihn,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Es ist ein starkes Bild: „noch drückt uns das Joch der Sünde“. Es ist die Schwere des Joches beim Hören des Gebetes zu spüren, das auf uns lastet. Mit dem Bild des Joches ist eine Wirklichkeit in unserem Leben ausgesprochen. Es ist die Sünde und Schuld, die uns niederdrückt und es uns in unserem Leben schwer macht. Sünde und Schuld sind wie die Schwerkraft, die uns niederhält und uns daran hindert, dass wir aufrecht und aufgerichtet im Leben stehen und damit unserer eigentlichen Berufung als Menschen folgen können. Es braucht immer wieder die Anstrengung, sie von dieser Schwerkraft zu lösen und in der Leichtigkeit und Freude den Lebensweg zu gehen. Diese Leichtigkeit dürfen wir uns immer wieder zusprechen lassen, besonders im Moment der Lossprechung in der Beichte hebt uns aus der Schwere der Sünde in die Freude des Lebens, in der unsere Bestimmung als Menschen besteht.

Beim Bild des Joches denken wir aber auch an das Wort Jesu: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ (Mt 11,30). Das Joch Christi ist leicht, da er es für uns trägt. Das Joch des Kreuzes ist genau die Umkehrung und die Verwandlung des Joches unserer Schuld und Sünde. Das Joch des Kreuzes drückt nicht nieder, sondern es ist aufgerichtet, um uns aufzurichten. Im Glauben an das Kreuz Christi, das unsere Erlösung ist, ist auch unsere Freiheit gegeben, in der wir uns für das entscheiden können, um das das Tagesgebet Gott bittet: „mach uns neu durch die Geburt deines Sohnes“.