„O Weisheit, Du bist aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen, umfassest alles von einem Ende zum andern und ordnest es machtvoll und sanft. Komm, uns den Weg der Klugheit zu lehren.“

 

 

„O Herr und Führer des Hauses Israel, Du bist dem Moses in den Flammen des brennenden Dornbusches erschienen und hast ihm auf Sinai das Gesetz gegeben. Komm, strecke Deinen Arm aus, uns zu erlösen.“

Ab den 17. Dezember verdichtet sich die Liturgie der Kirche mehr und mehr. Nahe ist das Kommen Jesu Christi. Eine Besonderheit sind die O-Antiphonen vom 17.-23. Dezember. Sie werden in der Vesper, dem Abendgebet der Kirche, immer vor dem Magnificat, dem Lobgesang Mariens gebetet. Den Namen haben sie von ihrem Anfang: alle beginnen mit einem staunenden und auch flehenden „O“. Dabei nehmen die O-Antiphonen Bilder aus dem Alten Testament auf und verstehen sie als Vorausdeutung für Jesus Christus.

Arvo Pärt (geboren 1935) vertont die beiden ersten O-Antiphonen in kristallener Klarheit. Die Weisheit ist nicht aufdringlich, sie bietet sich an; sie ist nicht das Laute Schreien der Straßen und der Medien, sondern möchte aus Überzeugung angenommen werden. Der Glaube an das Kommen Jesu Christi verlangt Überzeugung. In ihm ist Gott bei uns.

Als Gottessohn ist Jesus Christus untrennbar verbunden mit seinem Vater. Darum ist auch das Handeln Gottes eines. Alles was Gott im Alten Testament für das Volk Israel getan hat, kann nicht getrennt sein vom Handeln Jesu, das er im Neuen Testament für die Welt tut. Die Weisheit wird uns retten, oder wie Johannes sagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32).

 

Allmächtiger Gott,
noch lastet die alte Knechtschaft auf uns,
noch drückt uns das Joch der Sünde.
Schenke uns die wahre Freiheit
und mach uns neu durch die Geburt deines Sohnes,
auf die wir gläubig warten.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.