Ewiger Gott,

durch die Geburt deines Sohnes

aus der Jungfrau Maria

hast du vor der Welt

deine Herrlichkeit offenbar gemacht.

Lass uns das unfassbare

Geheimnis der Menschwerdung

in unverfälschtem Glauben bewahren

und in liebender Hingabe feiern.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Von Anton Bruckner wird berichtet, dass er nach der Christmette noch auf der Empore bleibt, um zu beten. Als am nächsten Morgen die ersten Musiker kommen, finden sie den großen Komponisten immer noch im Gebet versunken und beständig leise beten: „Ich werde damit nicht fertig, dass Gott Mensch wird“.

Wenn wir Weihnachten feiern, meinen wir oft, dass wir schon erfasst haben, was in der Heiligen Nacht geschehen ist. Weihnachten und das Weihnachtsgeheimnis gehören oftmals zum Alltag des Jahres, ohne dass wir uns wirklich bewusst machen, was das Fest bedeutet. Der Größte wird zum Kleinsten, Gott wird Mensch, der Mensch soll Anteil am göttlichen Leben erhalten – das „unfassbare Geheimnis“.

  1. Bruckner wird damit nicht fertig, das „unfassbare Geheimnis“ zu verstehen. Im Letzten bleibt die Menschwerdung Gottes ein Geheimnis, wie auch unser menschliches Leben im Letzten ein Geheimnis ist und bleibt. Wie oft werden wir nicht damit fertig, was unser persönliches Leben ist und was es uns manchmal aufbürdet?

Dagegen steht die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus: Gott wird damit fertig, dass er Mensch wird, damit wir einen Weg haben, damit wir in kleinen Schritten damit fertig werden, dass wir zusammen mit ihm unser Leben verstehen. Der „unverfälschte Glaube“ besteht darin, dass das Geheimnis von Weihnachten das Licht in unserem Leben sein will, das uns manches verstehen lässt und uns den Frieden von Weihnachten schenkt.