Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott,

und komm.

Entreiße uns den Gefahren,

in die unsere Sünden uns bringen.

Mache uns frei und rette uns.

Darum bitten wir durch Jesus Christus,

deinen Sohn, unseren Herrn und Gott,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

Es ist die Nüchternheit und der Realitätssinn des Glaubens, der uns heute im Tagesgebet anspricht. Die menschliche Sünde ist ein Faktum in unserer Welt, auch wenn wir sie nicht immer wahrnehmen wollen. Im Advent lohnt es sich, auf sein eigenes Leben zu blicken und eine Gewissenserforschung zu halten. Dafür reichen fünf Minuten Stille, auf die ich mich mit einem Gebet vorbereite. In der Stille gehe ich in Gedanken meinen Tag von Beginn ab und durchschreite ihn Stunde für Stunde. Wem bin ich begegnet? Was hat mich gefreut? Welche Situationen haben in mir Zorn, Wut oder sogar Streit hervorgerufen? In welchem Moment habe ich die Nähe Gottes oder die Abwesenheit Gottes gespürt? In der Gewissenserforschung geht es nicht um eine Bewertung der einzelnen Erfahrungen, sondern erst einmal um deren Wahrnehmen. Am Ende einer Woche kann dann ein Rückblick auf die vergangenen Tage sein, wobei auf das geachtet wird, welche Gefühle und Erlebnisse wiederholt haben. Das kann dann in das Gebet genommen werden und darin vor Gott gehalten werden. Das Ende kann dann die Gebetsbitte sein: „Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott, und komm. Entreiße mich den Gefahren, die meine Sünden mich bringen. Mache mich frei und rette mich“.