Großer und heiliger Gott,

im Hinblick auf den Erlösertod Christi

hast du die selige Jungfrau Maria

schon im ersten Augenblick ihres Daseins

vor jeder Sünde bewahrt,

um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten.

Höre auf ihre Fürsprache:

Mache uns frei von Sünden

und erhalte uns in deiner Gnade,

damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus. Amen.

Heute feiert die Kirche das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Damit bekennt die Kirche, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens frei war von der Erbsünde. Die Erbsünde können wir so verstehen, dass es der Hang zum Negativen und zum Bösen in uns ist. Die katholische Glaubenslehre bekennt aber, dass die Taufe uns von der Erbsünde reinwäscht, da wir durch die Taufe in den Erlösertod Christi hineingenommen sind. Tod und Auferstehung Jesu Christi besiegen den Tod und die Sünde und befreien uns zur Freiheit des Lebens. Jeder Getaufte hat zwar in der Taufe die Befreiung von der Erbsünde, aber es bleibt immer eine Spur davon in uns bestehen, weil wir die Gabe der Freiheit zu tragen haben, die uns zur Entscheidung ruft. Wie jedes Leben ist auch die Sünde im Letzten ein Geheimnis und oft genug fragen wir uns: Warum habe ich so gehandelt und nicht anders?
M. Blondel hat einmal das schöne Wort geprägt: „Was der Mensch nicht verstehen kann, das kann er dennoch tun“. Dieses Wort trifft in besonderer Weise auf Maria zu. Sie hat vielleicht nicht alles in ihrem Leben verstanden, vielleicht am wenigsten, warum sie Mutter des Gottessohnes werden sollte. Aber Maria hat dennoch das ihre getan: „Mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,38). Als getaufte dürfen wir auch jeden Tag dies mit Maria sagen, auch wenn wir nicht sofort verstehen, was dies immer bedeutet. Aber die Tat wird uns jeden Tag mehr und mehr in das Geheimnis hineinführen, in dem wir Gott und damit unserem Leben begegnen dürfen.