Fridolin lebte nun schon viele Jahre in St. Othmar und mit der Zeit war er zu einer richtigen Kirchenmaus geworden. Und diese Aufgabe nahm er sehr ernst! Er räumte auf, polierte die Orgelpfeifen oder backte neue Oblaten. Als er am Ende der Messe hörte, dass der Pfarrer noch Leute für die Grabwache suchte, entschloss er sich kurzerhand einige Stunden zu übernehmen (denn wieso sollte nicht auch einmal eine Maus Wache halten können?!). Und so saß er am Abend des Karsamstags auf einer der Kirchenbänke und passte auf, dass niemand den Leichnam Jesu stahl, der dort vorne im Grab lag. Gegen mögliche Räuber war er gut gewappnet, er hatte eine Taschenlampe in Miniformat, ein dünnes Seil und eine kleine Steinschleuder spezialisiert für Pfefferkörner, von denen er gleich einen ganzen Sack dabei hatte. Die erste Person, die zum Grab kam, ließ Fridolins Puls gleich höher schlagen. Er versteckte sich schnell hinter den Gesangbüchern und beobachtete jede Bewegung, doch er konnte nichts Verdächtiges entdeckten. Also beruhigte er sich wieder und atmete tief durch. Immer wieder kamen Menschen, knieten sich hin und beteten. Nach einer Weile schreckte Fridolin nicht bei jeder Person auf, im Gegenteil, das lange Sitzen machte ihn immer müder und seine Augenlider fühlten sich an wie Blei. Immer wieder fielen sie zu. Er versuchte seine Augen mit Streichhölzern offen zu halten oder spritzte sich das kalte Wasser aus dem Weihwasserbecken ins Gesicht, doch bereits nach 5 Minuten kam die Müdigkeit zurück. Denn wenn Mäuse müde sind, sind sie einfach müde. „Nicht einschlafen!“, murmelte er, „nicht einschlaf…“ Doch da war es bereits passiert. Fridolin schlief tief und fest und wachte er nach vielen Stunden wieder auf. Er gähnte, streckte sich und wäre dann vor Schreck beinahe von der Kirchenbank gefallen! Das Grab war leer! „Zum Wimbeldimbel nochmal“, entfuhr es ihm. Jemand hatte den Leichnam gestohlen. „Wieso musste ich auch einschlafen“, wimmerte er schuldbewusst, sprang von der Kirchenbank und durchsuchte das Grab. Bis auf ein paar Leinentücher, war es wirklich leer! Er musste den Räuber finden! Vielleicht war er noch nicht weit gekommen!? Er flitzte durch die Kirche, durchsuchte jede Ecke und Nische, doch ohne Erfolg. Hier war kein Räuber. Also blieb nur eine Möglichkeit: Er musste nach draußen geflüchtet sein! Fridolin rannte auf den Vorplatz der Kirche und schaute sich um. Da pickten ein paar Tauben nach Körner, weiter hinten fuhr ein Auto und auf der linken Seite ging eine Frau mit einem Kinderwagen. Alles unauffällig. Er schnupperte, horchte und lief dann zu den Tauben: „Habt ihr einen Räuber aus der Kirche fliehen sehen?“, fragte er sie aufgeregt. Doch die Tauben schauten ihn nur verdutzt an und stolzierten dann auf Fridolin zu und währenddessen wackelten ihre Köpfe hin und her. „Einen Räuber?“, gurrten sie fragend im Chor. „Ja“, bestätigte Fridolin, „einen Räuber, der den Leichnam Jesu gestohlen hat.“ Lachen machte sich unter den Tauben breit. „Nein, wir haben niemanden gesehen! Aber frag doch mal bei der Polizei nach. Vielleicht haben die ja kürzlich wen mit einer Leiche verhaftet!“, sagten alle und machten sich dann wieder ans Körner aufpicken. Polizei war ein gutes Stichwort. Die lag nicht weit von hier und es dauerte nicht lange, bis Fridolin dort war. Die Polizei hatte einen Hund, eine Dogge, die immer alle neusten Informationen wusste. „Guten Tag, Hauptkommissar Doggo!“, grüßte Fridolin freundlich. „Guten Tag Meister Fridolin“, bellte die Dogge „was gibt`s Neues?“ „Naja“, anwortete Fridolin „Heute suche ich einen Räuber mit einer Leiche!“ Hauptkommisar Doggo schaute Fridolin entsetzt an. „Es gab einen Mord!? Das muss ich unbedingt melden!“ „Nein, nein, keine falsche Panik“, beschwichtigte Fridolin, „einen Mord gab es schon, aber der ist schon 2000 Jahre her. Ich suche nur den Leichnam, also natürlich nicht den echten, nur den aus der Kirche. Der wurde nämlich geklaut!“ „Achso“, bellte die Dogge, doch Fridolin sah ihr an, dass sie nicht wirklich wusste, wovon er sprach. „Wir haben leider keinen Räuber mit einer Leiche gefasst!“, sagte sie. „Schade!“, sagte Fridolin. Er gab der Dogge ein kleines Hundeleckerli als Dank und ging dann mit hängenden Ohren nach draußen. Fridolin wusste einfach nicht mehr, wo er noch suchen sollte. Er lief noch dreimal durch das gesamte umliegende Gebiet, doch weit und breit gab es keinerlei Spuren vom Räuber und so ging Fridolin mit hängendem Kopf wieder zurück zur Kirche. Er ging hinein und blieb ruckartig stehen. Irgendetwas war anders! Irgendjemand war hier, das konnte er riechen! Leise schlich Fridolin zum Grab und konnte seinen Augen kaum trauen. Dort, wo eins der Leichnam gelegen hatte, lag nun ein farbiges Osterei! Fridolin begutachtete es. Es war das schönste Ei, das er je gesehen hatte! Dann hörte er eine feine Stimme singen. Es klang wunderschön und für einen kurzen Augenblick stand Fridolin einfach nur da und lauschte. Fridolin folgte der Stimme. Der Gesang wurde immer lauter und da plötzlich sah Fridolin zwei weiße lange Ohren, die hinter der Säule hervorschauten. „Hallo?“, fragte Fridolin zögernd. Die Ohren verschwanden ruckartig, doch dann kamen sie wieder und mit ihnen ein Kopf und ein kleiner weißer Körper, der einen Korb auf dem Rücken trug, der bis oben gefüllt war mit Eiern. „Wer bist du?“, fragte Fridolin erstaunt. „Jedes Kind weiß, wer ich bin. Ich bin der Osterhase“, lachte dieser und hüpfte auf Fridolin zu, der ihn mit großen Augen anschaute. „Der Osterhase!? Hast du den Leichnam Jesu gestohlen?“ Bei dieser Frage machte nun der Hase große Augen und grinste dann. „Weißt du denn gar nicht, was passiert ist?“, fragte er Fridolin, der nun schwer schluckte. „Doch, ich bin eingeschlafen“, entgegnete er kleinlaut „und dann kam ein Räuber und hat den Leichnam gestohlen!“ Doch der Hase schüttelte nur den Kopf. „Aber nein!“, entgegnete der Hase, „der Leichnam Jesu wurde nicht gestohlen. Er ist auferstanden!“ „Auferstanden?“, fragte Fridolin. „Ja, deswegen bin ich ja hier“, sagte der Hase „und verstecke diese wunderschönen Eier. Sie sind ein Symbol für das Leben. Jesus ist nicht mehr tot, er lebt!“ Oh wie froh war Fridolin auf einmal. Glücklich sprang er in die Luft. „Das ist ja wunderbar!“, rief er und umarmte den Osterhasen freudig. „Das gehört gefeiert! Ich habe frischen Schinken und Käse und sogar eine Karotte! Magst du für einen Augenblick bleiben?“ Der Osterhase nickte und so kam es, dass Fridolin und der Osterhase gemeinsam Ostern feierten.