Hast du schon von Fridolin gehört?

Nein?

Ja, das habe ich mir schon fast gedacht.

Fridolin sieht man nämlich nicht so oft, nur ab und zu, wenn man Glück hat. Meistens verkriecht er sich in seinem Versteck und kommt erst dann heraus, wenn die Menschen bereits gegangen sind. Denn Fridolin hat große Angst vor den Menschen. Und manche Menschen haben auch Angst vor Fridolin, obwohl er sehr klein ist. So klein, wie Mäuse eben sind. Mäuse? Ja, du hast richtig gehört. Fridolin ist eine kleine Maus. Nun denkst du dir sicher, „Ja, Mäuse kenn ich eh“, aber Fridolin ist keine gewöhnliche Maus, sondern eine Kirchenmaus. Anders als die anderen Mäuse wohnt er nicht in einer engen dunklen Mäusehöhle, in der die Luft oft sehr stickig ist, sondern äußerst komfortabel in der riesigen Kirche von St. Othmar. Dort hat er sich, in einer der alten Schränke in der Sakristei, eine richtige kleine Mäusewohnung eingerichtet mit gemütlichen Decken, einem Sessel und einem eckigen Tisch, den er sich aus einer sehr großen Zündholzschachtel gebaut hat. Auf diesen ist Fridolin besonders stolz, denn er besitzt sogar vier Tischbeine, die Fridolin mit viel Mühe aus Zündhölzern angefertigt hat. Das war vielleicht eine Arbeit kann ich dir sagen! Doch nun sieht der Tisch wirklich aus wie ein richtiger Tisch; genauso, wie ihn auch die Menschen haben, mit einer Schublade!

Ja, Fridolin kennt die Häuser der Menschen gut. Manchmal, wenn es schon dunkel geworden ist, schleicht er sich aus seiner Wohnung, durchquert die Kirche und wagt sich nach draußen, wo er schnell durch die Gassen huscht. Natürlich muss er ab und zu stehen bleiben, seine großen Ohren spitzen und horchen, ob ihn auch wirklich niemand entdeckt hat. Besonders in Acht nehmen muss er sich jedoch vor den Katzen, denn die kann Fridolin ganz und gar nicht ausstehen. Aus irgendeinem, ihm jedoch unerklärlichen, Grund wollen die Katzen ihn immer fressen… Pfui.

Schon allein bei dem Gedanken an sie muss er sich kräftig schütteln. Nein, Katzen mag er wirklich absolut überhaupt nicht. Doch meistens ist die Luft rein und so läuft Fridolin weiter, mal in die eine Gasse, mal in die andere, immer im Schatten der Häuserwand bis er ein offenes Fenster findet. Dort bleibt er dann stehen, steckt seine Nase durch den Fensterspalt und schnuppert, ob dort auch ja keine Katze wohnt. Ganz ganz leise schleicht er dann hinein und durchquert die Zimmer der Menschen, erst den Keller, dann den Flur und die Schlafzimmer, dann die Stube bis er schlussendlich die Küche erreicht hat…

Du musst wissen, dass Mäuse äußerst hungrig sind, besonders Fridolin. Von Keksen, Käse, Speck und Schokopudding kann er nicht genug bekommen! Und die Küchen der Menschen sind voll davon. Manchmal ist das ganz leicht und die Menschen haben ein paar Kekse auf dem Tisch liegen gelassen. An anderen Tagen wiederum ist es umso schwieriger und Fridolin muss mit viel Mühe selbst eine der Keksdosen aufmachen. Dann nimmt er all seine Kraft zusammen und zieht kräftig am Deckel der Dose und uff, der sitzt manchmal wirklich fest drauf! Vom starken Ziehen tun Fridolin oft schon die Arme weh. Einmal ist es Fridolin passiert, dass ihm dabei die ganze Keksdose heruntergefallen ist. Das war vielleicht ein Lärm, ein Scheppern und Klirren, und Fridolin ist voller Schreck gleich davon gelaufen.

Doch meistens geht alles gut und Fridolin kann sich in aller Ruhe den Bauch vollessen, sodass dieser kugelrund ist. Satt und auch ein bisschen müde, kehrt Fridolin dann in die Kirche zurück, geht in seine Wohnung und setzt sich in seinen Sessel, in dem es wirklich sehr gemütlich ist, und schaut aus dem Fenster, das ersich vor einiger Zeit in die Schranktür genagt hat. Dort sitzt er gerne, denkt über dies und das nach und lauscht manchmal den dunklen und hellen Tönen der Orgel, die ab und zu die Kirche erfüllen. Manchmal denkt er auch über das ein oder andere Abenteuer nach, das er bisher schon erlebt hat.

Aber davon erzähl ich euchdas nächste Mal…

© Bilder und Geschichte bei Mareike Sornek