Rund um den 1. November durfte ich Exerzitien machen. Bin sehr dankbar für das Geschenk dieser Zeit. Vorsichtshalber habe ich viele warme Sachen eingepackt, denn im November kann es schon sehr kalt werden, früher hat es bei uns zuhause nicht selten geschneit. Aber es war anders, als ich gedacht hatte: viele warme statt kalte Tage. Ich beobachtete die Natur, wie sie auf diese Wärme reagiert: Bäume bekommen kleine Knospen, die Sträucher genauso, – im November?!
Es ist schwer, sich an die Veränderung des Klimas zu gewöhnen. Es sieht aus, als ob es nur mehr zwei Jahreszeiten gäbe; Sommer und Winter – und der Rest? Natürliche Abläufe verschwinden, leider auch die dazugehörigen Rituale im Leben der Menschen. Im Advent ist schon Weihnachten, eigentlich früher, denn kaum dass der Advent beginnt, leuchtet es überall weihnachtlich, duftet nach Punsch und Zimt und Weinachtsbäckerei. Das, was uns in der Natur äußerst unnatürlich erscheint, ist für uns selber inzwischen ganz natürlich.
Auch innerlich, geistig, sind wir aus dem Rhythmus gekommen. Bitte, Danke, Entschuldigung, Verzeihung. Beichte, Sakrament der Eucharistie, Sonntagspflicht werden übergangen. Dadurch beuten wir uns selber aus.Genau so, wie wir es mit der kostbaren Schöpfung machen, höhlen wir unser geistiges Leben aus und füllen es stattdessen mit irdischen Genüssen. Völlerei, Alkohol, Internet, Macht, Erfolg und weiter und weiter und schneller.
Mensch, wo bleibst du? Bist du daheim bei Dir? Diese Frage wird Dir am Ende gestellt, auch wenn es so unrealistisch erscheint, ist es bitter ernst. „Kehr um zu mir, bekehre dich, lebe in der Wahrheit meines Wortes“, spricht der Herr, „mein Wort ist Leben.“
Es sind November-Gedanken, im Angesicht der Veränderung der Natur, angesichts unserer Blindheit, angesichts des Kreuzes, jenseits der vorgegaukelten Romantik. Es ist die Zeit des Nachdenkens und die Zeit, sich zum Leben zu erheben.

In diese Dynamik möchte ich sie mitnehmen